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The personal notes
of Daniel S. Lee

Mittwoch – Wednesday, 30.07.2003

::Suche einen tiefen Brunnen::
Eigentlich wollte ich noch mal kurz über meine tollen Eltern schreiben. Das verschiebe ich aber jetzt mal. Die Begegnung mit eines von Melodys tollen Projekten hat mich jetzt doch bewogen, hier mal etwas Dampf abzulassen.

Normalerweise schreibe ich eigentlich ungern über mein Gefühlsleben. Muss wohl so eine Männersache sein. Wobei ich damit eigentlich schon beim Thema bin: Der Nachbar meiner Nachbarin.

[more...]
 
Zugegeben, meine Nachbarin ist manchmal etwas chaotisch, wie sie selber sagt. Bislang hat sie aber alles unter einem Hut bekommen, und wenn nicht, macht sie es mit ihrem Charme locker wieder wett. Diesem ihrem Charme ist wohl auch ihr Nachbar erlegen. Oder er war es zumindest, denn immer wenn sie von ihm redet, dann sind es zu 90% nur Geschichten darüber, dass sie sich wieder gestritten hätten, dass er ihr Vorwürfe macht, die sie nicht versteht. Zwischenzeitlich sprach sie sogar davon, dass sie genug hätte und nachdenkt, aus dem Haus zu ziehen.

Der aktuelle Anlass: An meinem freien Tag habe ich meine Nachbarin zum Abendessen eingeladen. Sie war noch an der Uni und ich wusste, sie war im Prüfungsstress, am Lernen und hatte wenig Zeit. Daher wollte ich ihr was Gutes tun und ihr das abendliche Kochen abnehmen, da ich eh kochen musste, gerne koche und meine Eltern mich mit einem aus allen Nähten platzenden Kühlschrank zurückgelassen hatte.

Dummerweise hatte ich in ihrer Abwesenheit einen Glückskeks an ihre Wohnungstür geklebt. Ihr Nachbar hatte dies natürlich mitbekommen (er wohnt zwei Etagen unter ihr...) und meinte ganz schnippisch, das würde dann ja wohl wieder etwas länger dauern, als sie ihm erzählte, sie würde bei mir zu Abend essen. Der Abend wurde dann aber doch noch ganz gemütlich, auch wenn sie nach zwei Stunden wieder zum Lernen nach Hause musste.

Anscheinend meinte ihr Nachbar, dass er zur Zeit wohl etwas zu kurz komme und machte seine Ansprüche geltend.
›Ob sie diese Woche etwas gemeinsam geplant hätten,‹ fragte sie ihn, chaotisch wie immer, aber aufgrund der Stresssituation auch verständlich.
›Ja, aber das sei ja jetzt auch egal.‹ (mir war bis dato gar nicht so bewußt, wie zickig auch Männer sein können. Ehrlich!)
›Wann wollten wir uns denn treffen?‹
›Donnerstag. Du wolltest für mich kochen.‹
›Oh, Donnerstag...‹ Meine Nachbarin und ich hatten überlegt, gemeinsam am Donnerstag Abend zum Wir sind Helden–Auftritt auf Bochum Total zu gehen. Heute Abend rief sie mich dann an, um mir abzusagen. Geknickt bin ich nicht, etwas traurig aber schon. Im nachhinein bin ich aber sauer. Auf den Nachbar, nicht auf meine Nachbarin.

Wenn sie vorher schon mit ihm vereinbart hat, für ihn zu kochen, dann ist das okay für mich. Sie ist etwas chaotisch, aber damit kann ich leben, da bin ich flexibel genug. Ich bin aber sauer auf ihren Nachbar, weil ich aufgrund ihrer Stimme das Gefühl nicht los werde, sie macht dies nur aus Pflichtbewußtsein. Sie fühlt sich ihm verpflichtet, schließlich haben sie ja schon so lange nichts mehr gemeinsam gemacht...

Warum er eigentlich nicht für sie kochen könne, schließlich erzählt er gerne, wie Mann kocht, fragte ich sie.
›Aus Prinzip nicht, ich sei mal wieder an der Reihe, dabei mag er wahrscheinlich nicht einmal, was ich koche‹, erwiderte sie (also, ich mag ihre Improvisationskünste bislang...)

Hä? Sie sei mal wieder an der Reihe? Als ob Freundschaft ein Zug–um–Zug–Geschäft sei. Wobei er eigentlich auch wissen sollte, dass sie im Moment wegen ihren Prüfungen wenig Zeit hat. Da könnte er doch etwas Rücksicht auf ihre Situation nehmen und auch auf die Idee kommen, für sie zu kochen. Unabhängig davon, wer jetzt wie oft für wen gekocht hat. Wenn alle Ehefrauen aufrechnen würden, wer wie oft das Essen zubereitet hat, könnte mancher Mann seinen Job an den Nagel hängen und für den Rest seines Lebens die Schürze umbinden. Aber darum geht es in Beziehungen oder Freundschaften doch gar nicht. Zu geben, ohne zu fordern, weil man will und nicht, weil man muss. Um des Freundes willen und nicht um seiner selbst.

Das würde ich ihm am Liebsten ins Gesicht kleben.

Ich war eigentlich kurz davor, mich schlafen zu legen. Aber beim Lesen des Froschkönigbrunnens musste ich unwillkürlich wieder an meine Nachbarin denken und darüber, dass (viele) Männer so rücksichtslos und ichbezogen sind wie dort beschrieben. Die ganzen Streitereien und Erwartungen ihres Nachbarn belasten sie deutlich, dennoch rafft sie sich immer wieder auf und versucht, mit ihm ins Reine zu kommen. Obwohl es bislang nie über eine gute Freundschaft hinausging, da ihr Herz im Moment noch (leider) in Spanien verweilt. Wüsste ich nicht vom Nachbar meiner Nachbarin, ich würde die Geschichten »lediglich« interessant finden, ja, zum Teil sogar zum Schmunzeln. So aber juckt es mir in den Fingern, den Froschnachbar eigenhändig in den Brunnen zu werfen. In einen ganz tiefen.



Ein Reiter

Eine sehr interessante Dreiecks-Nachbarbeziehung. Ich glaube ich werde deinen Text noch viermal lesen, bis ich eure nachbarschaftlichen Beziehungen verstanden habe. Also dann grüß mir deine Nachbarn, und wann machen wir mal was zusammen.. he? Ist schon lange her, dass du für mich gekocht hast... Also vielleicht sollte ich bei euch einziehen. Ich denke ich passe ganz gut zu euch oder????

^-^

[zafer | 30.07.2003 - 13:27 ]

Daniel | link | 03:05 | --- | gelebt

 
 
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