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The personal notes
of Daniel S. Lee

Donnerstag – Thursday, 24.07.2003

::259 Millionen Probleme::
Die Musikbranche hat ein Problem. Bzw. rund 259 Millionen Probleme im letzten Jahr: Selbstgebrannte CDs und Raubkopien.
»›Musik‹, sagt Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, ›wird heute mehr gehört denn je – nur bezahlt wird dafür seltener‹.«

Das ist nicht nur im Pop–Bereich so, sondern zieht sich durch die gesamte Branche. So findet sich in der aktuellen Zillo eine zweiseitige Anzeige, in der Künstler verschiedener Independentlabels zu Wort kommen und gegen die Praxis des Schwarzbrennens predigen.

Ich finde die Entwicklung nicht gut, denn ich kann mir gut vorstellen, dass gerade die kleinen Bands und Labels sehr darunter leiden. Und gerade aus ihren Reihen kommen oft sehr schöne Klänge abseits des Mainstreams.

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Allerdings finde ich auch, dass die Musikbranche nicht gerade viel unternimmt, um auf den Verbraucher zuzugehen. Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, warum eine CD mal 10 Euro, mal 13 Euro, mal 15 Euro oder sogar 17 Euro kostet. Je nach Interpret, Label oder Verkaufsstelle. 17 Euro sind mir eindeutig zu viel für eine einfache gewöhnliche CD ohne irgendwelche Gimmicks. Sind die Produktionskosten gestiegen, die Gehälter der Stars oder ist man großzügiger in der Handelsspanne geworden?

Für mich selbst mache ich allerdings eine andere beunruhigende Beobachtung: Ich finde es immer schwieriger, ein Album, eine CD von einem Interpreten, einer Band zu finden, die ich rundum gelungen finde. Klar gibt es immer die persönlichen Favouriten auf einer CD, die man sich öfter anhört als die anderen Lieder. Aber, eine CD darf nicht ein, zwei Superhits enthalten mit ein bisserl Beiwerk drumherum, nur um die CD zu füllen. Bei solchen CDs habe ich das Gefühl, dass die Band versucht, lieber eine schnelle Mark zu machen als ein ausgewogenes Album zu produzieren oder gar ein Kunstwerk zu schaffen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Aber die verkaufen sich dann meist auch recht gut. Trotz gebrannter CDs.

Die Interpreten werden immer weniger, bei denen ich blind zugreifen würde, wenn ein neues Werk veröffentlicht wird. Bei denen ich mir ziemlich sicher bin, dass die neue CD rundum gut ist. Da warte ich auch gerne mal auch ein paar Jahre länger (nicht wahr, Frau Bush!). Hauptsache, die (musikalische) Qualität stimmt. Aber heute spricht man ja schon von einem Comeback, wenn mehr als zwei Jahre zwischen der letzten und der neuesten CD-Veröffentlichung liegen... Also heißt es schnell nachlegen, nur nicht in Vergessenheit geraten.

Und dann noch das Problem der mp3-Dateien aus dem Internet. Ich habe keine Flatrate, kein DSL und kann daher nicht nachvollziehen, was daran so reizvoll ist. Ich habe von Freunden mp3-Dateien geschenkt bekommen, aber ehrlich, ich höre sie mir ziemlich selten an, obwohl das ein oder andere gute Lied dabei ist. Für mich besitzt eine CD einen (vielleicht individuellen) Mehrwert. Ich will das Cover sehen, will die Texte in der Hand halten und mitlesen/mitsingen können. Will mehr über die Interpreten erfahren, dazu ein paar Fotos sehen.

Klar, gibt es all das im Internet. Muss ich nur suchen. Aber dadurch entsteht bei mir keine Beziehung zum Künstler, wie auch immer diese Beziehung aussehen mag. Musik aus dem Computer ist mir eine Spur zu technisch, zu unpersönlich. Und Musik, die ich gerne höre, weckt bei mir Emotionen, die ich gerne mit dem Künstler verknüpfe, der sie auslöst. Ich fühle mich einem Menschen, einem Geist nah, der mir artverwandt scheint, mit dem ich zumindest für eine CD lang seine Welt teile. Zu guter letzt zeugt es auch einfach von Respekt für die künstlerische Leistung, wenn man die CD kauft, die einem gefällt.

Vielleicht bin ich aber auch einfach nur altmodisch.
Vielleicht muss ich einfach nur öfter und länger suchen.
Vielleicht kann aber auch die Musikindustrie für realistischere Preise sorgen und die Künstler für eine höhere Qualität.
Wenn die Musikbranche will, dass mehr CDs gekauft werden, muss sie einen Mehrwert bieten. Und zwar einen für den Kunden, nicht für den Interpreten oder den Produzenten. Keine Retortenbabys, sondern unverwechselbare, authentische Künstler. Ob das der richtige Weg ist, weiß ich allerdings nicht.

Vielleicht ist die Welt aber auch nur einfach schlecht geworden.

Daniel | link | 03:44 | --- | gedacht

 
 
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